Wenn Gott gerecht und allverzeihend ist, warum gibt es dann Naturkatastrophen?

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Wenn Gott gerecht und allverzeihend ist, warum gibt es dann Naturkatastrophen?

2010 / 09 / 02

Wenn Gott gerecht und allverzeihend ist, warum gibt es dann Naturkatastrophen?

Dieser Artikel ist eine Abschrift eines Vortrags der von seiner Eminenz Allama Scheich Yasser Al-Habib gehalten wurde.

Atheisten fordern oft gläubige heraus indem sie die folgende Frage stellen: “Wenn Gott existiert und gerecht und allverzeihend ist, warum sehen wir diese großen Tragödien in der Welt, wie zum Beispiel Erdbeben, Fluten und Stürme welche Tausende von Unschuldigen umbringen –inklusive unschuldiger Kinder- welche das Leben der Überlebenden in eine Hölle verwandelt da sie all ihr Hab und Gut verlieren oder weil sie zu Behinderten werden? Was haben diese Unschuldigen getan, and warum sind sie mit dieser Bösheit konfrontiert. Ist Gott böse? Durch diese argumentative Frage versuchen Atheisten Gläubige vom Glauben abzubringen, obwohl die Frage keine wissenschaftlichen Parameter beinhaltet, und nicht die natürlichen Prozesse berücksichtigt.

Diesen Ereignissen das Böse zuzuschreiben ist nur mit den schlechten Auswirkungen, die eine solche Katastrophe auf die Menschen hat, verbunden. Es gibt auch positive Auswirkungen, wie zum Beispiel das Zusammenhalten der Menschen in einem solchen Fall, und darauffolgende Prozesse die für den Menschen eigentlich nützlich sind. Sind sie daher auch „boshaft“?

Läßt uns die Angelegenheit mehr Objektiv betrachten und einige Beispiele in Betracht ziehen. Wenn es zum Beispiel eine große Flut in Afrika gibt, dann sind die Dörfer unterwasser, Leute sterben, Häuser und Eigentum sind zerstört, und Familien werden obdachlos. In diesem Fall betrachten die Dorfeinwohner die Flut als etwas böses, und wünschen sich sie wäre nicht passiert.

Aber zur gleichen Zeit erreicht Wasser Dörfer und Felder tief im Landesinneren wo Menschen aus Hunger und Armut sterben. Trockene Erde wird bewässert, Pflanzen wachsen und die Agrarerzeeugung wird gesteigert, die hungernden bekommen zu essen, das Einkommen der Leute erhöht sich, Verkauf und Kauf wird erhöht und der allgemeine Wohlstand wird verbessert. In diesem Fall betrachten die Einwohner der betroffenen Region auf langer Sicht die Flut als etwas gutes und danken Gott für das Erreignis.

Im Falle eines starken Windes werden Küstendörfer verwüstet, Menschen sterben, Häuser werden zerstört und so weiter. Zur gleichen Zeit ist dieser örtliche Windzustand ein Teil eines globalen Prozesses der Wind für Segelschiffe erzeugt, sowie auch bei der Entstehung von Wolken welche Trinkwasser liefern, beteiligt.

Es ist auch dieser gewaltsame Wind der ferner ab Windmühlen antreibt, welche ihren Benützern Wohlstand und Unterhalt liefert. Dieser Wind reguliert auch die Temperaturen auf der Erde, und hilft Blumen und andere Pflanzen bei der Befruchtung. Zusätzlich treibt deiser Wind auch Rauch und giftige Gase, die von Fabriken in industriellen Städten ausgetoßen werden fort und reinigt die Luft. Dies verhindert krebserregende Umweltzustände, Lungenerkrankungen und Geburtsfehler.

Im Falle eines ernsten Erdbebens in einer Region sterben viele und Eigentum geht verloren...In diesem Fall ist das Erbeben „bösartig“, aber zur gleichen Zeit ist dies auch ein Teil der tektonischen Bewegungen welche verhindern daß bestimmte Regionen unter Wasser geraten, was zu unter anderem zu Überschwemmungstoten führen würde. Erdbeben gleichen auch die chemischen Komponenten und andere für das Leben essentielle Elemente aus. Es sind diese Erdbeben welche die Kontinente auf denen wir leben geschaffen haben, und auch Inseln durch das Lava der Vulkane formen. In diesem Fall sind die Erdbeben „gutartig“ oder „nützlich“. Diese Erdbeben führen auch zum Hervorbringen von verborgenen Mineralien und wertvollen Metallen wie Gold und Silber, welche zum Wohlstand der Menschen und zum wirtschaftlichen Wachstum führen

Wir können daher solche Ereignisse aufgrund einer engstirnigen und sturren Weltanschauung nicht ganz als “bösartig” bezeichnen, und nur ihre negativen Auswirkungen in Betracht ziehen. Diese Prozesse, die auf physikalische Grundgesetze beruhen, sind notwendig, um das Leben auf der Erde zu garantieren.

Man kann solche Ereignisse auch nicht nur von einem Blickwinkel in Betracht ziehen. Es wäre genauso als ob man entlang einer Baustelle vorbeigehen würde, und nur den Staub, Lärm und Behinderung des Straßenverkehrs erkennen würde, aber die Tatsache daß eine Straße verbessert, oder ein neues Krankenhaus oder Schule gebaut wird außer acht läßt.

Das Licht ist ein weiteres Beispiel. Wir Menschen könnten ohne Licht nichts sehen und gar nicht leben, aber in bestimmten Umständen kann er für uns gefährlich werden. Für uns Menschen ist sie eher gut, aber Fledermäuse leben in und brauchen die Dunkelheit. Es ist daher nicht richtig über etwas zu urteilen, indem wir aus unserem eigenen Blickwinkel generalisieren, und uns nur auf die negativen Auswirkungen eines Ereignisses konzentrieren.

Viele der heutigen Naturkatastrophen passieren auch Aufgrund der Zerstörung der natürlichen Ordnung durch den Menschen. Das Testen von Atombomben, die vielen Kriege und die Umweltverschmutzung bringen Veränderungen in der Umwelt herbei welche zu diesen Katastrophen führen, welche das Leben auf der Erde gefährden. Katastrophen wie die globale Erwärmung, die Auflösung der Ozonschicht, das Schmelzen des Polareises und das darauffolgende Ansteigen des Meeresspiegels oder das Verschwinden von Seen die Trinkwasser liefern haben den Menschen als Verursacher, und daher kann man Gott nicht die Schuld für diese Entwicklungen geben.

Warum beschuldigen wir Gott wenn wir selbst der Grund für diese Geschehnisse wie Fluten und Unwetter sind? Warum reduzieren wir nicht unsere Bedürfnisse, welche nur nach Reichtum und Geld streben und unser Leben gefährden?

Es bleibt eine Frage welche beantwortet werden muß. Die Frage lautet : „Gut, wir akzeptieren, daß natürliche und Umwelt Phänomäne negative Auswirkungen aber auch positve Auswirkungen haben können, aber warum müßen immer so viele Unschuldige sterben? Was hat das Kind getan, daß es unter dem Schutt liegt? Die Antwort kann in den folgenden Punkten zusammengefaßt werden:

Den Unschuldigen trifft keine Schuld. Aber manchesmal kann etwas welches wir zuerst als schlecht empfinden nach genauerem Überlegen eigentlich für die Person gut sein, wie Allah es im Quran in der Sure 2, Vers 216 sagt: „aber es ist wohl möglich, daß euch etwas mißfällt, was gut für euch ist; und es ist wohl möglich, daß euch etwas gefällt, was für euch übel ist. Allah weiß, ihr aber wisset nicht.“

Jemand der in einem Erdbeben stirbt, kommt direkt in den Himmel, denn wäre es nicht für dieses Ereigniss gewesen, hätte er weitergelebt, Sünden angesammelt und wäre vom rechten Weg abgekommen und hätte dadurch die Strafe Allahs verdient. Diese Person dankt Allah dann millionenfach für dieses Erdbeben und dem Erhalt des Segens. In der Tat leidet das Kind unter dem Schutt kurz vor dem Tod. Er wandert hinüber zum Jenseits und realisiert jedoch, daß es die Gelegenheit bekommen hat nach Gottes Plan weiterzuleben und aufzuwachsen, anstatt vielleicht nicht an Gott zu glauben und vom rechten Weg abzukommen. Das Kind realisiert, daß der frühe Tod in diesem Fall ein Segen war.

Man darf diese Angelegenheit nicht engstirnig betrachten. Wir müßen alles in Betracht ziehen, und uns fragen, ob dieser Tod nicht besser ist als ein Leben in der Hölle zu verbringen. Es wird von den Imamen der AhlulBayt (Friede sei mit ihnen) berichtet, daß sie oft betonten wie Katastrophen eine Begnadigung für die Sünden ist.

Hier ein weiteres Beispiel: Jemand der früher viel schlechtes getan hat, verliert in in einer Katastrophe die Gehkraft seiner Beine. Er kann danach dankbar dafür sein, daß er nicht mehr die Möglichkeit hat, mehr Vergehen anzusammeln, und kann sich wieder auf einen besseren Weg zurückwenden.

Naturkatastrophen wecken Leute auch aus ihrer Apathie und läßt sie erkennen, daß Gott die allmächtigste Kraft ist. Man erkennt, daß das Leben nur eine temporäre Phase ist die man durchwadert, und nicht mehr als 100 Jahre andauert. Diese Erkenntniss ist viel wichtiger als der Verlust eines Beines oder behindert zu werden.

Wenn ein Arzt einen Krebspatienten heilt, wird er möglicherweise gezwungen sein einen Körperteil zu amputieren. Diese Handlung kann nicht als „böse“ bezeichnet werden, weil der Arzt Prioritäten setzt, und es für wichtiger hält ein Leben zu retten, als den Patienten körperlich vollkommen zu lassen. Würde er sich auf den Behalt eines betroffenen Körperteils konzentrieren, dann würde sich der Krebs auf dem Rest des Körpers verteilen, und das Überleben des Erkrankten gefährden.

Wenn Katastrophen eintreten, muß man alle Faktoren und auch die positiven Folgen berücksichtigen, wie wenn die Menschen zusammenkommen und einander helfen. Man darf sich auch nicht nur auf das Diesseits, sondern muß sich auch auf das Jenseits konzentrieren. Studieren wir die Geschichte, entdecken wir daß Naturkatastrophen auch immer von einem Neuanfang begleitet wurden, und zu einer Verbesserung führten. Die Überlebenden selbst sind es, die nach der Katastrophe Erfolg und Fortschritt herbeiführen.

Aus diesem Grund passieren viele Renaissancen nach Tragödien wie Kriege, da sie den Wettbewerb antreiben und zum Beispiel mechanischen Fortschitt stimulieren. Oft sind die genialsten Wissenschaftler genau jene welche jemanden Geliebten verloren hatten, was sie zu der Erfindung eine Lösung eines lebensgefährlichen Problems oder zur Heilung einer Krankheit veranlaßte. Sie denken dann ernsthaft an die Verbesserung der Lage der Menschen, was ein positive Effekt einer Tragödie sein kann.

Ein Leben ohne Probleme und Katastrophen führt eher zu einem Leben im Rückschritt, da die Not die Mutter der Erfindungen ist. Man wird nicht zum Fortschritt angespornt und verkommt in Resignation und Anonymität. Aus diesem Grund sehen wir auch daß verantwortungsvolle Elten ihre Kinder gelegentlich der wirklichen Welt aussetzen, sodaß sie für das spätere Leben vorbereitet sind.

So werden gute und produktive Kinder großgezogen. Eltern die jedoch Kinder so weit wie möglich entfernt von den Herausforderungen des Lebens großziehen, setzen der Gesellschaft Individuen aus, die verwöhnte Niemande sind und welche nur Probleme verursachen, Orte sündhaften Verhaltens aufsuchen und kein Ziel im Leben haben.

Viele der neuen Regierungssysteme die in ihrem Ursprung die Verbesserung der Lage der Menschen sich zu Herzen genommen haben, sind das Resultat einer Katastrophe wie Kriege zum Beispiel. Diese wecken den Menschen auf wie Alarmglocken, und veranlassen die Menschen mehr miteinander zu kooperieren und einander zu helfen, und neue Gesellschaftsformen zu entwickeln, die auf Recht, Gleichberechtigung und Menschenrechte basieren. Katastrophen bringen Menschen dazu, über den Sinn des Lebens miteinander zu denken und einander zu unterstützen, Seite an Seite, im Ausgleich für den Verlust an Leben und Eigentum.

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